SpaM

SpaM #30 – 3D-Druck: Tzolk’in-Fratzen und SdJ-Pöppel

Nach Bügelperlen-Brettspielcovern und längst verschrotteten Dominion-Couchtischen hat die SpielErLeben-Werkstatt mal wieder was Neues für sich entdeckt: Den 3D-Druck.

Kurz ein paar einleitende Worte: Konkret spreche ich hier vom sogenannten Fused Deposition Modelling (zu Deutsch soviel wie „Schmelzschichtung“). Das ist ein additives Fertigungsverfahren, bei dem Kunststoff geschmolzen und schichtweise aufgetragen wird, sodass ein dreidimensionaler Gegenstand entsteht.  Was für mich im Informatik-Unterricht zu Abizeiten noch nach Science-Fiction klang, ist ca. eine Dekade später auch für Laien beherrschbar und außerdem erschwinglich geworden. Tatsächlich gibt es mittlerweile ein unüberschaubares Angebot unterschiedlicher 3D-Drucker für den Heimgebrauch. Das geht los mit dem Selbstbausatz für unter hundert Euro und endet in Sphären, in die ich nicht vorzudringen gedenke.

Gekauft habe ich mir dann – nach enthusiastischen Rezensionen mehrerer Youtube-Nerds – den Creality CR 10 für ca. 350 € bei Gearbest.com. Die Lieferung aus China hat ca. einen Monat gedauert, verlief ansonsten aber problem- und vor allem zollfrei. Der Aufbau war auch für mich als Technik-Laie einfach zu bewältigen (zumindest nachdem ich die richtigen Youtube-Videos gefunden hatte). Neben dem Drucker braucht man dann natürlich noch „Tinte“, die bei dieser Form des 3D-Drucks als Kunststoff-Faser (genannt Filament) auf einer großen Spule daher kommt. Auch hier gibt es ein großes Angebot verschiedener Kunststoffarten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Es gibt Filamente in allen Regenbogenfarben, flexible Filamente, Filamente mit Holz- oder Metallfasern… es gibt sogar Filamente mit Kaffee-Geruch. Für den Anfang habe ich mir vier unterschiedliche Farben an PLA-Filament bestellt, mittlerweile sind es aber deutlich mehr geworden. Die normalen Filamente ohne Spezial-Effekte kosten ca. 20 bis 30 € je Kilogramm-Spule. Ich weigere mich auszurechnen, wie viel Geld ich zwischenzeitlich für Filament ausgegeben habe.

So viele schöne bunte Farben…

Die zum Druck notwendige Software gibt es – wenn auch mit eingeschränkten Funktionen – als Freeware. Will man ein eigenes 3D-Modell erstellen, so benötigt man entsprechende 3D-Grafiksoftware wie etwa SketchUp. Es gibt aber auch diverse Datenbanken, in denen man die Modelle anderer Nutzer gratis oder kostenpflichtig herunterladen kann. Außerdem braucht man noch eine Slicer-Software, die aus dem 3D-Modell eine druckbare Datei macht. Ich verwende Cura 15.04.6.

Zum Glück hatte ich im Sommer ein wenig Zeit zum Spielen, und so konnte ich in den vergangenen Wochen viel ausprobieren und rumexperimentieren. Man lernt dann zum Beispiel, dass Maler-Krepp und Pritt-Stift dabei helfen, dass das Modell auch an der Glasplatte haften bleibt und nicht während des Druckes verrutscht (ärgerlich!). Oder dass sich die Qualität des Filamentes auch darin zeigt, wie gut es auf die Spule aufgewickelt ist, damit es sich beim Abwickeln nicht verknotet (sehr ärgerlich!). Abgesehen von diesen kleineren Malheurs hatte ich aber schnell viel Spaß beim Druck, und das soll es jetzt auch mit meinen Druckerfahrungen und technischem Gedöns gewesen sein. Das hier ist ja schließlich ein Spieleblog, und deshalb kommen wir jetzt auch mal zur Sache:

Wofür habe ich mir das Ding eigentlich gekauft? Natürlich um Spiele aufzupimpen. Am Anfang hatte ich eine diffuse Vorstellung von selbstgestalteten Schachteleinsätzen, um etwa den (eigentlich eh schon genialen) Einsatz von Bärenpark (noch) besser zu machen. Bislang konnte ich mich zu so einem großen und potentiell sehr Filament-intensiven Projekt aber noch nicht durchringen. Stattdessen habe ich mir zunächst eine Vorlage für Tzolk’in-Arbeiter runtergeladen, die die langweiligen Arbeiter-Zylinder der Spieler ersetzen:

Bunte Fratzen: Ein Haufen Tzolk’in-Arbeiter

 

Alt und Neu in Reih und Glied: Sechs Arbeiter je Farbe (inklusive Orange für die Erweiterung). Außerdem zwölf neutrale Arbeiter für das Spiel zu dritt oder zu zweit.

 

Tzolk’in-Fratzen in Aktion

Als erstes selbsterstelltes 3D-Modell habe ich mir außerdem einen „Spiel des Jahres-Pöppel“ gebastelt.

Ein Pöppel und noch ein Pöppel und ein normaler (nicht gedruckter) Meeple zum Vergleich

Ansonsten habe ich noch viel Spökes gedruckt: Den eisernen Thron. Einen Homer-Simpson-Buddha für meinen Bruder. Pikachu und Glumanda. Und auch das nächste Spieleprojekt ist bereits hart im Gange: Plättchen für Terraforming Mars, gestaltet von Boardgamegeek-Nutzer f-p-p-m. Mehr dazu nach Fertigstellung.

Ich find’s geil.

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply
    Der Leif
    September 18, 2017 at 9:48 am

    Da bin ich mal gespannt auf weitere Druckberichte von Dir! Die Terraforming Mars Elemente die da teilweise gedruckt werden, sehen ja echt klasse aus…! 🙂

  • Reply
    Christian
    September 22, 2017 at 9:33 am

    Sehr interessant! Ich spiele ja auch mit dem Gedanken mir so einen 3D Drucker anzuschaffen. Wie viel von dem Material verbraucht man denn im Schnitt? Z.B. für die Tzolk’in-Arbeiter?

    • Reply
      Martin
      September 23, 2017 at 5:10 pm

      Die Tzolk’in-Mitarbeiter wiegen etwas mehr als 1 Gramm, die Kosten bei normalem PLA-Filament (20 – 30 € pro Kilogramm) liegen also bei 0,02 € bis 0,03 € pro Figur.

  • Reply
    Lencer
    September 22, 2017 at 12:41 pm

    Das ist echt der Hammer. Endlich mal ne sinnvolle Idee für nen 3D Drucker 😉 Gefällt mir!

  • Leave a Reply