Spielberichte

Der Monat: September 2014

Während ich im August noch ganz viel Zeit für die „guten alten Schätzchen“ hatte, brach im September die erste kleine Neuheiten-Flut über mich herein. Außerdem war ich auf einem Journalisten-Treffen des Kosmos-Verlages und einer kleinen Prerelease-Veranstaltung von Korea Board Games, die ihr Büro praktischerweise in Bonn haben. Somit enthält die nachfolgende Liste ganz viele Ersteindrücke und damit noch weniger Kalorien, als es sonst der Fall ist.


Was im September so gespielt wurde…

Sultaniya
Das perfekte Spiel für alle, die eigentlich lieber puzzeln wollen.

Abyss
Das Cover entstand übrigens durch eine lustige Verkettung von Zufällen, bei der unter anderem ein verfressenes Unterwassermonster, eine Ladung verdorbenes Plankton, eine Toilette mit defekter Beleuchtung und ein Smartphone mit versehentlich eingeschalteter Frontkamera eine Rolle spielten.

Johari
Ein Spiel wie ein Boxkampf! Klingt super oder? Ich meine aber leider nicht die spektakulären Boxkämpfe, bei denen derart wild die Fäuste fliegen, dass es die Zuschauer regelmäßig von den Sitzen reißt… Johari erinnert mich nach mittlerweile fünf Partien eher an einen dieser zähen Boxkämpfe, in denen sich die Gegner über die volle Kampfdistanz gegenseitig abtasten, ständig umklammern und dabei vor allem versuchen, bloß die Deckung nicht zu verlieren (bzw. im Falle von Johari bloß keine Vorlagen zu geben). Klar, auch solche Boxkämpfe haben ihren Reiz, grade für Taktiker. In die Geschichte gehen sie trotzdem eher selten ein.

http://boardgamegeek.com/boardgame/63628/manhattan-projectThe Manhattan Project
Hmm, „Yellowcake“. Das klingt nicht nur lecker, sondern sieht auch noch lecker aus! Kannte ich unter dieser Bezeichnung bislang gar nicht. In meiner  „Top 118 Lieblingsrohstoffe in Brettspielen“ befände sich das übrigens im Moment auf Platz… äh, Moment… Platz 92. Jawohl.

http://boardgamegeek.com/boardgame/161537/7-steps7 Steps
Es gibt doch nichts schöneres, als minutenlang den perfekten Zug auszutüfteln, um dann bei der Ausführung desselben festzustellen, dass man im Schatten des Sichtschirmes leider mal wieder gelb und beige verwechselt hat… und rot und orange… und schwarz und lila. Aber türkis erkennt man dafür wirklich gut. Jawohl!

http://boardgamegeek.com/boardgame/143884/machi-koroMachi Koro
Na, wie habt ihr Euch damals als Kinder gefühlt, wenn Ihr in einer Partie Mensch Ärgere Dich Nicht mit der letzten Figur vor dem Ziel standet und einfach nur noch die passende Augenzahl würfeln musstet, um ins Ziel zu kommen, es Euch aber einfach nicht gelingen wollte? Das war immer total super, oder? Wenn ihr in den letzten Jahren genau dieses Gefühl in dem ganzen neumodischen Spielequatsch vermisst habt, dann könnte Machi Koro für Euch genau das richtige sein. Perverserweise macht die willkürliche und voll unfaire Würfelorgie dabei sogar richtig Spaß (zumindest in der „Komme, was wolle“-Variante, die ich der Grundvariante mittlerweile klar vorziehe).


Nosferatu
„Das ist wie Werwolf, nur mit dem Unterschied dass…“. Irgendwie hört man solche Sätze im Moment immer öfter. Werwölfe wird in allen Möglichkeiten durchdekliniert. Hier also ohne Spieler-Eliminierung, ohne Moderator und für 5 bis 9 Spieler. Was mir noch fehlt wäre eine Werwolf-Variante, in der mich nicht ständig die Angst verfolgt, mich aufgrund irgendwelcher dummer Versprecher oder offensichtlicher Spielfehler vor allen zu blamieren.

Drecksause
Da ich keine Kinder kenne für mich vor allem als „alberner Eisbrecher“ interessant. In dieser Kategorie verliert Drecksause derzeit allerdings eindeutig gegen Coconuts (siehe unten).

Panamax
Herrje, die Spielregel! Ich habe das Gefühl, dass da drei Leute dran rumgeschrieben haben, von denen jeder eine andere Vorstellung davon hatte, wie die  Regel gegliedert werden soll. Außerordentlich schlecht, ich musste das gleich drei Mal lesen und mir außerdem noch selber eine Mindmap über die Geldflüsse im Spiel malen (!), um die Abläufe zu verstehen. Nach bislang drei Partien bleiben immer noch ein paar offene Detail-Fragen und die leise Hoffnung, dass das Spiel besser wird, wenn alle am Tisch es schon kennen.

Die Legenden von Blue Moon
Wir (das bedeutet in diesem Fall vorwiegend Annika und ich) spielen weiterhin mit den vorgefertigten Völker-Sets gegeneinander, indem wir diese einfach zufällig aus der Schachtel ziehen. Lustigerweise erwische ich dabei IMMER IMMER IMMER das Völkerset, das gegen Annikas Völkerset klar im Vorteil ist… (zumindest wenn ihr Annika fragt).

Gold Ahoi!
Typische Reaktion meiner Mitspieler VOR der ersten Partie: „Hach ja. Früher wäre sowas in der Kosmos-Zweier-Reihe erschienen.“
Typische Reaktion meiner Mitspieler NACH der ersten Partie: „Äh, ne… doch nicht“
Hat in meinen Runden bislang meist gelangweilte Abneigung erzeugt.

Jäger und Späher
Hier wurde mir eine ganz besondere Ehre zuteil. Ich durfte Jäger und Späher doch tatsächlich gegen das Cover-Model persönlich spielen. Ehrensache, dass ich Guido in „seinem“ Spiel gewinnen lasse… Fand ich in der ersten Partie ganz interessant.

Metallum
Kürzlich auf Twitter gelesen: „Der Mars ist der einzige Planet im Universum, der ausschließlich von Robotern bewohnt wird“. Hihi, fand ich witzig. Glaubt man der äußerst konfusen Hintergrundgeschichte zu Metallum, so wird unser Nachbarplanet dieses Alleinstellungsmerkmal aber wohl nicht mehr allzulange halten können. In dem dort beschriebenen Szenario sind nämlich quasi alle Planeten von Robotern besiedelt. Wir Menschen hingegen chillen weiterhin nur in unserem Sonnensystem rum, weil interstellare Flüge nämlich voll schlecht für die Gesundheit sein sollen. Jedenfalls gibt es auf den fremden Planeten also automatisierte Bergbauminen mit Bergbaurobotern… aber dann wurde der interstellare Bergbau von der Regierung eingeschränkt und Lizenzen vergeben… Doch plötzlich wurde ein neues Element entdeckt und… Laberlaberlaber!

http://boardgamegeek.com/boardgame/154982/venezia-2099Venezia 2099
Gibt Antworten auf Fragen, die ich mir vorher gar nicht gestellt habe. Zum Beispiel auf diese: Was wurde eigentlich aus den ganzen hässlichen Stadtplänen, die nach dem Siegeszug des Smartphone-Navis vor einigen Jahren obsolet geworden sind? Antwort: Zumindest alte Venedig-Stadtpläne finden nach Zwischenlagerung im bleichenden Sonnenlicht nun in Venezia 2099 ihre neue Bestimmung.

King’s Pouch
Ein Arbeiter-aus-einem-Beutel-zieh-und-auf-eigenen-Gebäuden-Einsetz-um-Gebiete-auf-dem-zentralen-Plan-zu-Erobern-Spiel. Die Arbeiter kommen dabei in zwei unterschiedlichen Formen und mehreren Farben. Die Formen kann man beim Rausfischen aus dem Beutel mit ein bisschen Fingerspitzengefühl ertasten und somit ein Stück weit steuern, was man für die nächste Runde verfügbar hat. Ich persönlich kann neben den Formen übrigens auch die Farben ertasten. Wie ich das mache verrate ich aber erst in der nächsten Ausgabe meines Satire-Magazins.

Office 21
Ein kleines Chaos-Kartenspiel mit niedlicher Grafik und – nach meinem Ersteindruck – ein paar speziellen Sonderspezialregeln zu viel.

Abraca… what?
Ein konfrontatives Hanabi-artiges Spiel, das schon jetzt den SpielErLeben-Sonderpreis für den coolsten Spieletitel erhält. „Abraca..what?“ kann man nicht nur mit wunderbarer Dramatik aussprechen, es passt auch noch ganz hervorragend zum Spielgeschehen. Wir müssen Zaubersprüche sprechen, von denen wir leider selbst nicht genau wissen, ob wir sie überhaupt verfügbar haben und ob der Spruch also gelingt oder vielleicht nach hinten losgeht. Fand ich beim Anspielen ganz originell, bin mir aber noch überhaupt nicht sicher, wie gut das Spielprinzip tatsächlich funktioniert.

Castle Crush
Jeder baut ne Burg und anschließend dürfen alle Spieler mal den großen Holzschwengel auf die (teilweise erstaunlich stabilen) Konstrukte herniederstürzen lassen. Punkte gibt es für den Aufbau (je höher ein Teil verbaut wurde, umso mehr Punkte bringt es) und die Überbleibsel nach den Abriss-Versuchen. Fand ich beim Anspielen eher unspannend, aber ich bin ja auch kein blöder Sandburgen-Zertreter.

Coconuts
Affen zielen mit Kokosnüsse in Plastikbecher… Kokosnüsse? Als ich das letze mal im Zoo war, haben die Affen mit was anderem geworfen. Aber ne, is klar. Die kleinen braunen Plastik-Kügelchen sind Kokosnüsse. Glaube ich sofort… Ob nun Kokosnüsse oder Affen-Aa ist aber eh ziemlich wumpe. Viel wichtiger: Das Spiel ist richtig witzig. Im Moment mein Dauer-Absacker bzw. Eisbrecher.

Dice’s Zoo
Ein Würfelspiel mit niedlichen Tiersymbolen… Mehr weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Vampir Mau Mau
Mau Mau mit Sonderfähigkeiten. Gefällt mir besser als Mau Mau ohne Sonderfähigkeiten, was jetzt aber auch nicht so wirklich schwer ist.

The Walking Dead: Der Widerstand
Hier kann ich gleich doppeltes Halbwissen vorweisen. Die Serie kenne ich nur in Fragmenten, das Vorgängerspiel überhaupt nicht (habe allerdings gehört, dass das eher nicht so prickelnd gewesen sein soll). Das zweite Kosmos-Spiel zur Serie fand ich beim ersten Anspielen jedenfalls gar nicht mal so verkehrt. Es gab wohl schon schlechtere Lizenzspiele.

Stone Age
Bei so vielen Neuheiten musste dann doch auch nochmal was altbewährtes her. So ganz ohne Neuerung ging es dann aber doch nicht. Nach ca. 40 Partien Stone Age war es jetzt endlich mal so weit, die erste Partie mit der Erweiterung Stone Age: Mit Stil zum Ziel. War mal ne ganz nette Abwechslung.


und ein paar Fotos…

Ein Buch! Ersteindruck nach dem ersten Drittel: Lesenswert
Auch nicht schlecht: Eine Regelerklärung per PowerPoint
 xɐɯɐuɐd… äh… Panamax.
Johari inklusive extremer Auswüchse der Sammler-Blockade
Das Sieben-Schritte-Programm zur besseren… äh… ja, was eigentlich?
Jäger und Späher mit Cover- und Hand-Model Guido H.
Stone Age mit Erweiterung
Breaking-News: Medienmogul Wenzel kauft Cliquenabend… eine Karte vor der Nase weg.

.. und sonst so?

nix :)… wir sehen uns in Essen! Ich freu mich drauf!

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3 Comments

  • Reply
    Hendrik
    Oktober 13, 2014 at 3:39 am

    Nicht schlecht, obwohl hier aber auch mal eine Spoiler-Warnung angebracht gewesen wäre: Die Hälfte aller Essen-Neuheiten schon mal in einem Abwasch abgewatscht… Jetzt sind einige Stände gar nicht mehr spannend. Einige von den Spielen waren sogar of meiner Long List, muss ich wohl was Neues finden.

  • Reply
    Guido Heinecke
    Oktober 13, 2014 at 8:57 am

    Zu den Breaking News: Am glücklichsten sieht auf dem Foto auch nur der Tisch aus.
    Zu Jäger und Späher: Du wirst dich wundern, ich war beim Friseur.

  • Reply
    Anonym
    Oktober 17, 2014 at 6:41 pm

    Hi
    Das Buch klingt ja cool – aber für einen Blindkauf definitiv zu teuer… Ich würde mich freuen, wenn du Zeit finden würdest, ein paar Sätze dazu zu schreiben.
    Besten Dank,
    Beate

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