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Dream Islands

„JAAAAA, DAS IST DER BESTE URLAUB EEEEEEEVER! DAS IST SO GEIL HIER, ICH KANN GAR NICHT AUFHÖREN ZU JUBELN UND VOR FREUDE IM KREIS ZU RENNEN! WUHUUUUUUU!“

Ich habe noch nie so fröhliche Spielfiguren gesehen. Die Arme permanent in die Luft gerissen, ein eindeutiges Testat überschwänglicher, ja fast hysterischer Freude… also zumindest wirkt das im Urlaubs-Setting so. In einem Katastrophenspiel hingegen könnten dieselben Figuren auch Zivilisten in Panik darstellen, etwa auf der Flucht vor Zombies oder aus einem brennenden Gebäude stolpernd. Naja, es ist aber nun Mal ein Urlaubsspiel, und da gibt es Zombies nur an der Cocktail-Bar und Brandwunden nur, wenn man mal wieder die Sonnencreme vergessen hat. Die fixierte Jubelgeste ist jedenfalls durchaus angebracht, denn wie könnte man an einem so traumhaften Strand nicht total glückselig sein? Insbesondere, wenn einem die Animateur-Sklaven (sprich: Wir Spieler) jeden noch so schwachsinnigen Wunsch von den Lippen ablesen.

„Hey Jungs… hicks… war doch supergeil gestern, als sich genau drei von uns auf der Insel mit dem dicken Affen getroffen haben! Heute machen wir aber trotzdem mal was ganz anderes. Wir sollten… RÜLPS, schuldigung… Wir sollten uns heute einfach auf vier benachbarte Inseln verteilen und uns gegenseitig zuwinken. Das wird mega! Hey da, Herr Animateur. Machen Sie mal!“

In Dream Islands bewegt jeder Spieler eine eigene Gruppe von Sextouristen sechs Touristen (verdammtes Autocorrect!) über eine Inselkette und versucht dabei, möglichst schnell die konkreten Wünsche seiner Gruppe zu erfüllen. Was die Gruppe grade fordert, verraten dem Spieler die drei Auftragskarten auf seiner Hand. Manchmal möchten die Touristen in exakter Anzahl auf irgendeiner Insel rumlümmeln, ein anderes mal wollen sie unbedingt eine Kette bestimmter Länge über mehrere Inseln bilden oder sie streben die totale Mehrheit auf einer konkreten Insel an. Ist ein Spieler am Zug, kann er in vorgegebenem Rhythmus zwei bis fünf Bewegungspunkte ausgeben, um seine Touristen im Uhrzeigersinn von Insel zu Insel hüpfen zu lassen. Zum Zugende können erfüllte Aufgaben ausgespielt und unliebsame Aufgaben unter den eigenen Nachziehstapel verfrachtet werden, um dann wieder auf drei Karten nachzuziehen. Das Spiel endet, sobald ein Spieler alle Aufträge seines eigenen Decks erfüllt hat oder alternativ sobald die sechste Figur auf die Sackgassen-Inseln in der Mitte versetzt wurde. Auf diesen sogenannten „Mittelinseln“ (welch stimmungsvoller Name!) gibt es ein paar Extra-Punkte. Die meisten Punkte macht man aber mit erfüllten Aufträgen.

Interaktion gibt es in Dream Islands nicht so wirklich. Für die eine Hälfte der Auftragskarten ist es vollkommen wumpe, wie die anderen Figuren positioniert sind. Für die andere Hälfte (jene Karten, bei denen es um Mehrheiten auf den Inseln geht) ist die Position der gegnersichen Spielfiguren zwar relevant, kann vom aktiven Spieler aber nicht beeinflusst und nur bedingt vorhergesagt werden. Die Überlegungen der Spieler finden deshalb selbstbezogen und im Stillen statt: Wie bereite ich meine Aufträge vor, welche Karten sind noch im Deck, welche schiebe ich erstmal nach unten. Als solitäre Tüftelei hat das einen gewissen Reiz, doch im kompetitiven Vergleich ärgert man sich schnell, dass andere Spieler mehr Glück beim Nachziehen haben. Am Ende gewinnt dann irgendeiner, ohne dass man das Gefühl hätte, dass derjenige besser oder schlechter gespielt habe, als die anderen.

Mit seinem solitären Charakter ist Dream Islands ein wunderbares Urlaubsspiel für längst entfremdete Familien, deren Mitglieder eigentlich gar nicht mehr zusammen wegfahren wollen. Man kann sein eigenes Ding machen, muss nicht miteinander sprechen und vergisst eventuell sogar, wer da eigentlich grade noch so am Tisch sitzt. Zielgruppe gefunden. Jubelgesten wie bei den Spielfiguren sieht man am Tisch aber eher nie.

Schulnote: 4+

Dream Islands, 2-4 Spieler, Lorenz Kutschke, Schmidt Spiele

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1 Comment

  • Reply
    Anonym
    Juni 27, 2016 at 9:36 pm

    Hallo Martin,
    NUR gut! Danke,ob Video oder Kommentar es ist und bleibt Klasse
    Was Du da für uns machst!
    LG Steffi

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