Dreindruck

Dreindruck #1 – Cottage Garden, Kanagawa, Fabelsaft

Dreindruck, Substantiv, m, Plural: Dreindrücke. Bedeutung: Drei Ersteindrücke auf einmal. Beispielsatz: „Die Dreindrücke von Martin sind super hilfreich, auch wenn sie natürlich nur auf wenigen Partien basieren und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind.“

 

Cottage Garden

Uwe Rosenberg, 2-4 Spieler, Edition Spielwiese

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Wie schon bei Rosenbergs Patchwork müssen wir Polyomino-Plättchen (so nennen Schlauköpfe das, was der Pöbel als „Tetris-Steine“ kennt) möglichst effektiv verpuzzeln. Dieses Mal geht es allerdings nicht um eine Flicken-Decke, sondern um kleine Gemüsebeete, von denen jeder Spieler immer zwei in Arbeit hat. Ist ein Beet komplett gefüllt, werden sowohl Töpfe als auch Blumenglocken darauf gezählt und mit separaten Punktemarkern gewertet. Da auf den Beeten schon zahlreiche Töpfe und Glocken abgedruckt sind, gilt es möglichst passend um diese herum zu pflanzen.

Die zu verpuzzelnden Polmoyio… ähäm… Plomyono… äh… Fuck.

Die zu verpuzzelnden Tetris-Steine finden wir in einem zentralen Angebot, um das Zug für Zug ein Würfel als Rundenzähler herum wandert. Der aktive Spieler darf entweder einen Blumentopf aus dem Vorrat oder ein Plättchen aus der Zeile nehmen, an der der Würfel grade liegt. Gibt es in der Zeile zu viele leere Plätze, wird vorher automatisch aufgefüllt. Gegen Abgabe einer Katze darf man aber auch schon vorzeitig auffüllen, um gezielt an die nächsten Plättchen aus der Warteschlange zu kommen. Blumentöpfe und Katzen dienen zudem als Lückenfüller im eigenen Garten, was ich mir insbesondere bei letztgenanntem ziemlich witzig vorstelle… „Jetzt setz dich schon in das verdammte Beet, du dämliches Vieh!… Nein! Nicht kacken! Nur hinsetzen!“

Cottage Garden ist ein irgendwie unfassbar sympathisches Spiel mit einem Thema, das schnell im Kitsch hätte enden können, dies aber zum Glück nicht tut. Stattdessen strahlt es einfach nur frühlingsfrischen Frieden aus, wie ihn eben wohl nur Kleingärtner oder Angler kennen. Das Spielempfinden passt zu dieser Stimmung, denn Cottage Garden ist weniger streng als das (von mir hochgeschätzte) artverwandte Patchwork. Es gibt keinen Hantier mit irgendeiner Währung, wer am Zug ist, nimmt sich einfach ein Teil und verbaut es. Dabei ist beim Auswahl-Mechanismus deutlich einfacher abzuschätzen, welche Plättchen man wohl a) eher nicht, b) eventuell oder c) ganz sicher in späteren Zügen bekommen wird. Ein paar behutsam gesäte Extra-Regeln bringen Pepp und Kontrolle rein. Toll!

 

Kanagawa

Bruno Cathala & Charles Chevallier, 2-4 Spieler, Iello

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Endlich ein Ausbildungsplatz beim großen Vorbild! Hätte ich als Spieleblogger ja auch mal fast geschafft, aber dann hat mir dieser Hennensohn Huhni im letzten Moment die Stelle beim großartigen Udo Bartsch weggepickt. Tja, Vitamin D und B12 halt, ihr kennt das.

In Kanagawa versuchen wir jedenfalls, uns als Lehrling in der Malschule von Meister Hokusai zu beweisen, indem wir unser Atelier ausbauen und das harmonischste Lehrstück abliefern. Um die Utensilien und Motive kloppen wir uns mit den lästigen Mitschülern: Runde für Runde werden Karten in so vielen Spalten ausgelegt, wie Spieler teilnehmen. Teilweise liegen die Karten offen, teilweise aber auch verdeckt, so das wir nur an der Rückseite erkennen können, worum es sich grob handelt. Erscheint einem Spieler eine Kartenspalte attraktiv genug, so nimmt er sich die Karten und steigt aus der Runde aus. Wer in seinem Zug passt, darf sich auf eine höhere Kartenzahl freuen, muss aber damit rechnen, dass die attraktiveren Kartenspalten von den anderen Spielern weggeschnappt werden.

Genommene Karten werden einerseits im Atelier eingebaut und verleihen dort Malfähigkeiten, mit denen andere genommene Karten wiederum an das eigene Gemälde angefügt werden können. Ziele beim „Malen“ sind das Ergattern diverser Bonustafeln sowie das Auslegen eines möglichst jahreszeiten-harmonischen Gesamtbildes.

Spielmechanisch ist Kanagawa jetzt nicht so wirklich innovativ. Große Spannungsmomente erzeugt der Auswahlmechanismus bei mir jedenfalls nicht. Dafür sieht das Spiel mit toller Ablage-Matte und Pinseltöpfen aber ganz anständig aus, auch wenn die Illustrationen etwas gräulich wirken und nicht ganz die Pastell-Orgie vom Spielecover fortsetzen. Im Ersteindruck ist Kanagawa ganz okay, aber das war es dann auch schon. Solide Kost, Kannmamamachen.

 

Fabelsaft

Friedemann Friese, 2-5 Spieler, 2F-Spiele

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Ich stelle mir das so vor: Ende 2015, alle Welt redet vom neuen heißen Scheiß: Den Legacy-Spielen. Nur einer ist angepisst. Friedemann Friese findet Legacy-Spiele doof, weil das Wort „Legacy“ nicht mit „F“ anfängt. Kurzerhand entschließt er sich, da ein für alle mal nachzubessern und erfindet ein „Fabelspiel“. Ein Fabelspiel ist ein bisschen wie ein Legacy-Spiel, nur viel doller, weil es eben mit „F“ anfängt, weil man das Spielmaterial nicht zerstören muss und weil sich Fabelspiele nicht so ernst nehmen, wie dieses anstrengende Legacy-Gedöns.

Fabelsaft ist dementsprechend super einfach: Wir haben ein paar Kartenstapel ausliegen, auf die wir in unserem Spielzug mit unserer Figur ziehen können, um die auf der Karte angegebene Aktion auszuführen. Die Aktionen bringen uns dabei alle auf unterschiedliche Weise Fruchtkarten. Habe ich bestimmte Fruchtkombinationen gesammelt, kann ich mir – anstatt die Aktion einer Karte auszuführen – diese als Fabelsaft kaufen. Wer zuerst eine von der Spielerzahl abhängige Anzahl an Fabelsäften ergattert hat, der gewinnt.

Bis hierhin klingt das alles so, als wäre das Spiel nach wenigen Partien langweilig. Das Gegenteil ist der Fall. Wird eine Karte als Fabelsaft gekauft, so wird sie nämlich permanent aus dem Spiel genommen… und zwar spielübergreifend! Als Ersatz wird eine Karte vom riesengroßen vorsortierten Nachziehstapel gezogen, wodurch nach und nach neue Aktionsorte ins Spiel kommen, während andere irgendwann verschwinden. Jede Partie ist deshalb ein bisschen anders… quasi so, als würde sich der Geschmack einer Mahlzeit mit jedem Bissen ein wenig ändern.

Die Bewertung ob Fabelsaft „fabelhaft“ ist, überlasse ich weniger kreativen Bloggern. Mir gefällt Fabelsaft bislang jedenfalls so gut, dass mir der Speichel aus dem Schnabel klafft, es mich zudem förmlich unterm Nagel kratzt und mir außerdem vor Freude fast der Nabel kracht. Gabel-Schaft.

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2 Comments

  • Reply
    Tim
    Oktober 24, 2016 at 6:54 am

    krasser Dreindruck. danke! 🙂

  • Reply
    Tristan Ruff
    Oktober 24, 2016 at 10:06 am

    Ich dachte du musst sagen, ob das fabelhafte Fabelsaft auch fabulös genug für Spiel des Jahres 2017 ist 😉

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