Spielberichte

Schwül-verschwitzte Wochenrückschau – KW 30/13

Spät dran…

Eigentlich war es in der vergangenen Woche ja viel zu warm für Brettspiele. Da es aber auch viel zu warm für jegliche andere Aktivität war, bin ich dann doch wieder am Spieltisch gelandet. Schlußendlich ist es nämlich vollkommen egal, wo man sich zu Tode schwitzt. 

Meine Kalenderwoche 30/2013


Spiel der Woche

Wenn es bei mir dieses Jahr schon nicht zu einem Sommerurlaub gereicht hat, dann kann ich mich ja wenigstens bei einer kleinen solitären Knobelei an karibische Strände versetzen lassen… In Freitag findet sich der Spieler (nochmal: Es ist solitär, also für 1 bis 1 Spieler)  in der Rolle des gleichnamigen Eingeborenen aus der Romanvorlage wieder und genießt als dieser das ruhige Leben auf einer einsamen Insel… Keine nervige Zivilisation… keine Verpflichtungen… kein Festkleben an üseligen Ledersitzen in überhitzten Straßenbahnen…  Hach, so lässt es sich aushalten! Gut, es gibt da ein paar wilde Tiere und Kannibalen, aber die sind eigentlich ganz cool drauf, wenn man sich ihnen nur ordentlich vorgestellt hat und sich nicht über laute Musik nach 22:00 Uhr beschwert…
Alles in allem also ein feines Leben, wäre da nur nicht dieser tollpatschige Schiffbrüchige, der jüngst auf unserer Insel gestrandet ist und uns nun mit seinen bemitleidenswerten Überlebensversuchen das Panorama versaut… Solch ein elender Anblick… Nein, das können wir auch nicht einfach ausblenden, wir sind ja keine Unmenschen. Also geben wir Hilfe zur Selbsthilfe und übernehmen kurzerhand das Training des Gestrandeten, der sich uns als Robinson vorstellt. Optimalerweise soll das Survival-Training unseren Eleven dabei in die Lage versetzen, am Ende gleich zwei Piratenschiffe zu kapern und mit diesen die Insel zu verlassen. Dann stimmt auch das Panorama wieder.

Spielmechanisch stellt sich das ganze als nette solitäre Deckbau-Aufgabe dar, bei der wir mit unserem Robinson-Karten-Deck unterschiedliche Abenteuer bestehen müssen. Zu den möglichen Abenteuern gehört etwa das Schwimmen zum Wrack, das Erkunden der Insel oder das Bekämpfen wilder Tiere oder Kannibalen (Robinson hat die Vorstellung bei den neuen Nachbarn offensichtlich vermasselt und sich zu alledem auch noch über die laute Musik beschwert…). Abenteuer-Karten geben dabei an, wieviel Punkte man zum Bestehen eines Abenteuers erreichen muss, und wieviele Robinson-Karten man hierzu gratis ausspielen darf (weitere Karten kosten Lebenspunkte). Bestandene Abenteuer wandern dann als neue Robinson-Karten mit verbesserten Fähigkeiten in unser Deck. Misslingt Robinson jedoch eine Aufgabe, so kostet ihn das Lebenspunkte, bringt aber gleichzeitig die Möglichkeit, unliebsame Karten zu entsorgen.
Clever und innovativ finde ich dabei insbesondere zwei Spielmechanismen, die Sand in unser Deckbau-Getriebe werfen. Zum einen wird bei jedem Mischen der Robinson-Karten eine zufällige Tollpatsch-Karte hinzugefügt, die uns das Deck mit negativen Effekten versaut. Zum anderen werden die zu bestehenden Abenteuer im Laufe des Spieles zunehmend schwerer, da die „Gefahrenstufe“ jedesmal steigt, wenn das Abenteuer-Deck gemischt wird, und man dann mehr Kampfpunkte zum Bestehen des Abenteuers braucht.
Das Spiel endet – sofern einem nicht zuvor die Lebenspunkte ausgehen – nach dem dritten Durchlauf des Abenteuerkarten-Stapels mit einem finalen Kampf gegen die Piraten, welche uns nochmal alles abfordern. Lange Kombos und Kartenauslagen wie diese hier sind dann keine Seltenheit:
Finaler Kampf gegen Piratenschiff
28 Jahre lang hing Robinson Crusoe nach der Romanvorlage als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel fest. Der Mann ist Wartezeiten also gewöhnt. Die 1 1/2 Jahre, die er ungespielt in meinem Spieleregal ausharren musste, sollten daher also wirklich ein Klacks gewesen sein… Ich bin nach der Wartezeit nun froh, das Spiel endlich mal angepackt zu haben. Gefunden habe ich auf der einsamen Insel eine wirklich nette Knobelei, die ich auch als „alter Dominion-Hase“ noch interessant fand. Solo-Spiele mag ich eigentlich nicht so, aber das hier hat mich gut unterhalten.


Und sonst gespielt?

Polis: Fight for the Hegemony bei Andreas „uferan“. Für uns beide die erste Partie, und damit mehr Herantasten als „gezieltes Spielen“. Letzteres ist aber genau das, was man bei Polis anscheinend dringend tun muss. Wir hatten beide das Gefühl, dass man sich durch frühe Spielfehler sehr schnell alles komplett verbauen kann. Für den Einstieg ist sowas natürlich immer doof. Ansonsten fand ichs aber trotzdem interessant und bin auch sehr gespannt auf die angekündigte deutschsprachige Pegasus-Version, hoffe aber, dass der Spielplan noch mal überarbeitet wird. Den fand ich nämlich irgendwie ziemlich unintuitiv. Mehr vermag ich nach der ersten Partie, die wir zudem leider abermals wegen Zeitaublauf abbrechen mussten – nicht zu sagen.

Die vergessene Stadt bei Tim und Ramona. Der thematische Nachfolger zu Die verbotene Insel, allerdings mit einigen spielmechanischen Änderungen. Wieder bewegen wir unsere Abenteurer über eine modulare Plättchen-Auslage, dieses mal aber nicht zur Bergung von Artefakten, sondern weil wir schlicht und ergreifend die Einzelteile unseres verunglückten Fluggerätes wiederfinden müssen. Schwer machen uns das Leben dabei Hitze und Sandstürme, beides gesteuert durch Karten, die am Ende jedes Zuges gezogen werden. Ersteres verbraucht unsere stark beschränkten Wasserreserven, letzteres verdeckt immer wieder die Spielplanteile, die dann mühselig freigelegt werden müssen. Zum Glück haben wir wieder eine ganze Volleyballmannschaft unterschiedlicher Abenteurer mit tollen Spezialfähigkeiten, die das ganze wieder erleichtern. Insgesamt ganz nett und zudem anders genug, um neben dem Vorgänger eine eigene Berechtigung zu haben.

Asteroyds wird ja seit einiger Zeit verramscht wie sonst was (ist in diversen Online-Shops für unter zehn Euro zu haben), und entsprechend hatte ich es vor Kurzem noch im meinem Artikel über ungespielte Spiele als einen meiner typischen „Super-Duper-Sonderangebots“-Käufe bezeichnet, der dann doch nie gespielt wird. Das Schicksal von Asteroyds war damit eigentlich besiegelt. Doch dann kam Tim: „Martin“, sagte Tim, „Don’t judge a game by it’s Price. Das ist eigentlich ganz gut“ (sinngemäßes Zitat). Nun gut, dann wollen wir das doch mal Spielen. Natürlich bei Tim und Ramona mit Tims Exemplar, damit meines weiterhin „ungespielt“ ist… Mir doch egal. Und ja, er sollte recht behalten. Ich habe mich bei dem Spiel köstlich amüsiert. In einem Asteroiden-Feld müssen wir unser Raumschiff zu vier unterschiedlichen Portalen lenken. Dabei programmiert jeder die Bewegung seines Schiffes auf einem eigenen Steuertableau und muss dabei noch die durch Würfel bestimmte Bewegung der Asteroide berücksichtigen. Der Kniff dabei: Das ganze läuft auf Zeit. Heidewitzka, was für ein Spaß. Totales Chaos, totale Panik und Hektik. „Was macht der Asteroid da!?!“. CRASH… Wir haben mit 45 Sekunden pro Programmierung gespielt, die Zeit lässt sich aber beliebig an die Spielbedürfnisse anpassen. Mir hat es echt gefallen, auch wenn es ziemlich „multiplayer-solitär“ ist. Danke, Tim!

Als wäre Asteroyds nicht schon hektisch genug gewesen, gab es anschließend noch Turbo Taxi als Absacker bei Tim und Ramona. Wie schon „Freitag“ (s.o.) von Friedemann Friese, dieses mal allerdings im Großstadt-Dschungel. Ein pfiffiges kleines Legespiel, bei dem die Spieler gleichzeitig einen Mini-Stadtplan auslegen müssen, der zuvor bestimmten Anforderungen (Straßenverbindungen) entspricht. Ganz witzig, auch wenn ich gegen Tim und Ramona nahezu chancenlos war.

CO2. Ein Spiel über den Handel mit CO2-Emmisions-Zertifikaten. Jeah! Klingt das nicht spannend? Ich persönlich fand das Thema immer eher nicht so prickelnd. Weiter abgeschreckt hatte mich die grausig gestaltete Regel, weshalb ich um das Spiel bislang einen großen Bogen gemacht habe (Obwohl es mir von der Gestaltung des Spielmateriales äußerst gut gefallen hat). Ich war daher wenig begeistert, als Christwart vergangene Woche plötzlich mit dem Spiel ankam… Aber nagut. Und was soll ich sagen: Es hat mir dann tatsächlich doch ganz gut gefallen. War aber vermutlich – wie schon Polis – zu regelkleinteilig für einen schwülen Sommerabend, weshalb wir wieder mal nicht fertig geworden sind. Ein paar nette Ideen, und vom Thema merkt man beim Spiel auch nicht allzuviel (was in diesem Fall mal ein Pluspunkt ist).

Außerdem:
Stone Age. Wieder über www.boardgamearena.com mit Annika in Spanien. Ich hab’s einfach drauf in dem Spiel. Annikas Ausrede, dass es in dem dortigen Internetcafe zu heiß gewesen sei, lasse ich angesichts der Temperaturen hier auch nicht mehr gelten…


Und sonst so?

Irgendwie bin ich im Moment im Star Wars-Modus. Das ich mir die vier Zusatzpacks für das Star Wars Kartenspiel geholt habe, hatte ich ja schon erzählt. Nun geht’s bei mir auch noch mit dem ebenfalls von den Heidelbergern vertriebenen Star Wars: X-Wing – Miniaturen-Spiel los. Das Grundspiel habe ich schon ein paar Wochen hier rumliegen, zu meinem großen Ärger aber noch nicht gespielt. Und was macht der vernunftbegabte Spieler in so einer Situation? Genau: Erweiterungs-Krams kaufen. Vergangene Woche kam ich so an:

– den Millennium Falcon
– Slave 1
– einen weiteren X-Wing
– einen weiteren Tie-Fighter

Sieht schon echt toll aus:

Star Wars Miniaturen (auf dem Bild fehlen der zusätzliche Tie-Fighter und X-Wing)

Jetzt müsste ich es nur mal spielen. Annika ist ja bald wieder da… Mir doch egal, ob die Star Wars mag oder nicht.

Ehrlich gesagt bin ich grade sehr froh, dass die anderen Schiffe derzeit alle ausverkauft sind…


Zu guter Letzt noch etwas zum Schmunzeln, das nur ganz entfernt etwas mit Spielen zu tun hat. Vor kurzem auf Amazon entdeckt habe ich Folgendes:

Jelly Beans – Bean Bozzled
Jelly Beans – Bean Bozzled… Auch bekannt als „Bertie Bott’s Every Flavour Beans“ aus den Harry Potter-Büchern. Wer es nicht kennt: Es geht um Gelee-Bohnen in allen Geschmacksrichtungen. Und zwar in wirklich ALLEN Geschmacksrichtungen. Was mich als Kind amüsiert hat, gibt es zu meinem großen Entsetzen von Jelly Beans auch in echt (und außerdem natürlich zusätzlich auch als Harry Potter Merchandise). Kannte ich bislang noch nicht, musste es dann aber natürlich haben. Mit dem Drehrad bestimmt man, welche Bohne man essen muss. Das ist dann quasi russisches Roulette für die Geschmacksnerven, denn enthalten sind pro Bohnen-Farbe immer zwei Geschmacksrichtungen. Was man erwischt hat, merkt man erst im Mund: Schokoladenpudding oder Hundefutter? Butter-Popcorn oder faules Ei? Kokosnuss oder „Baby-Windeln“?… Ziemlich fieses Zeugs also. Ich habe noch nicht alles probiert, kann aber bestätigen, dass „Erbrochenes“ wirklich nach Kotze schmeckt und „Hundefutter“ zumindest so schmeckt, wie man es sich vorstellt. Meine amüsierten Arbeitskollegen berichten von „Zahnpasta“ (harmlos) und „Tausendfüßler“-Geschmack (wer hat das bitte probeverkostet?).
Ein netter Scherzartikel und ne lustige Mutprobe für den nächsten Spieleabend…


So, das war’s mal wieder… Und bei Euch so? Wie habt ihr die Hitze ertragen? Spielt ihr trotzdem, oder streckt ihr lieber alle viere von Euch?

You Might Also Like

6 Comments

  • Reply
    Anonym
    August 1, 2013 at 9:03 pm

    Schön von dir zu lesen. Hatte schon Sorge du machst Sommerpause ;0) Wir spielen bei der Hitze gerne abends ein paar Partien Hive oder Baggamon. Manchmal auch Grill Party von Kosmos. Passend zum Grillen eben und nichts was bei dem Wind auf der Dachterrasse wegfliegen kann. Yedo haben wir seit dem letzten Mal nicht mehr gespielt ( wegen der Wegfluggefahr…) Warme Grüße aus dem Ruhrpott, Sabine

  • Reply
    Anne
    August 2, 2013 at 6:05 am

    Wir lassen uns von der Hitze auch die komplexeren Spiele nicht vermiesen – auch wenn das Konzentrieren zugegebenermaßen schwerer fällt. Seasons geht natürlich immer, das haben wir zwei mal gespielt, aber diese Woche landeten auch Mage Knight und Fortune&Glory auf dem Tisch. Außerdem gab es diese Woche zwei spielleiterlose Erzählspiele (Fiasko, Dirty Secrets).
    Danke für deinen Überblick, lese ich immer gerne! (Bisher still.)

  • Reply
    Martin Klein
    August 2, 2013 at 11:35 am

    Sommerpause gibt's hier nicht, zumindest nicht dieses Jahr :)

    Grillparty enthält doch auch Karten, die wegfliegen können, oder nicht? Balkon- bzw. Dachterassentauglichkeit von Spielen ist ja auch nochmal so ein Thema… Yedo passt da natürlich kaum (bei mir schon alleine wegen Platzmangel auf dem Balkon). Hive ist da perfekt, muss ich nochmal auspacken :)

    Beste Grüße, Martin

  • Reply
    Martin Klein
    August 2, 2013 at 11:47 am

    Hey Anne! Freut mich sehr, dass du hier gerne mitliest :)

    Wow, wirklich ein straffes Programm für so eine warme Woche, Respekt :P. Mage Knight würde ich auch sehr gerne mal weiter erforschen, habe bislang lediglich zwei mal das Einsteigerszenario gespielt. Die Erzählspiele sagen mir aber gar nichts… was darf ich mir darunter vorstellen?

    Liebe Grüße,
    Martin

  • Reply
    Karl Stemmer
    August 2, 2013 at 9:00 pm

    Hi!

    Bei uns is auch unendlich heiß, aber Spielepause? Nö, auf keinen Fall! Was ist denn so diese Woche auf den Tisch gekommen? Lass mal aufzählen: Hexenflug von Amigo, dann Kingdom Builder mit meiner neulich erworbenen Erweiterung Crossroads, was meiner Meinung nach das Spiel noch interessanter macht, als ich es eh bisher gefunden habe, dann Herr der Ringe vom Knizia, Ausbrecher AG, Uluru, Die verbotene Insel, Wie verhext und Asara – Land der tausen Türme. Und nicht zu vergessen, heute nach langer langer Zeit mal wieder: AGRICOLA, ich war mal wieder begeistert, wie geil dieses Spiel ist! Und man kommt viel zu selten in den Genuss!
    Ja, das war eine spielreiche Woche, aber ich hab ja jetzt genügend Zeit dafür, bin noch bis Mitte September in Elternzeit. Juhuu!

    Viele Grüße,
    Karl

  • Reply
    Martin Klein
    August 5, 2013 at 7:52 am

    Crossroads finde ich auch sehr gut, allerdings wie so ziemlich alle Queen-Games-Erweiterungen erstmal grundsätzlich vollkommen überteuert. Aber nun gibt's die Erweiterung ja was günstiger…

    Ich habe am Samstag im Müller die beiden Erweiterungen für Escape in der Hand gehabt (Illusions und Quests), und mich nur gefragt, ob die nicht komplett wahnsinnig sind. Jeweils 29,95 € sollten die kosten… Absolute Unverschämtheit, wenn man sich mal anschaut, was da geboten wird, und was andere Verlage für Erweiterungen mit ähnlichem Umfang haben wollen… Aber ich schweife ab :P

    Schöne Spielewoche hast du da verbracht! Freut mich ;)

    Besten Gruß,
    Martin

  • Leave a Reply