Spielberichte

Übertrieben lange Wochenrückschau – KW 28/13

Stellt Euch vor, auch letzte Woche habe ich wieder gespielt… Und nicht nur das, ich erzähl Euch sogar noch ausführlichst davon. Yeah!

Kalenderwoche 28 aus dem Jahre 2013


Spiel der Woche

Colosseum habe ich am 10.05.2010 bestellt und seitdem ungespielt in meinem Regal verstauben lassen. Über drei Jahre lang… Nun haben wir ja grade so ’ne Art Brettspiel-Sommerloch und damit die ein oder andere Gelegenheit, sich endlich mal dem alten ungespielten Kram zu widmen. Mein Vorsatz für die Woche lautete daher: „Colosseum spielen!“.

Nun spiele ich ja nicht mit irgendwem, und schon gar nicht zu so einem besonderen Anlass, weshalb ich mir für den Samstag die schönsten, klügsten und charmantesten Spieler Deutschlands einlud… Dummerweise konnten die aber alle nicht, und so musste ich mich dann doch erneut mit Andi und Serafim begnügen… Egal: Los!

Einstimmige Meinung nach etwa 1 1/2 Stunden: Ein wirklich cooles Spiel! Optisch überzeugt es sofort mit verschwenderisch aufwändig gestaltetem Spielmaterial, ist aber auch spielmechanisch recht interessant. Aufgabe der Spieler ist es, über fünf Runden Aufführungen in den eigenen Arenen zu veranstalten und dabei irgendwann den Zuschauerrekord zu erlangen. Soll heißen: Es werden keine Siegpunkte über mehrere Runden aufaddiert, wie man das sonst gewohnt ist, sondern es zählt nur der eine beste Zug. Dieser will daher lange vorbereitet werden: Die Arena wird auf unterschiedliche Arten ausgebaut, man kauft sich neue Aufführungsprogramme und bietet auf dazu passende Darsteller und Requisite. Alles mit dem Ziel, immer mehr Zuschauer anzulocken. Darsteller und Requisiten, die man nicht ersteigern konnte, versucht man anschließend noch den Mitspielern durch cleveres Handeln rauszuleiern, und im Gegensatz zu vielen anderen Spielen hat die Handelsphase in diesem Spiel bei uns tatsächlich funktioniert. Es wurde wild gefeilscht und versucht, dem Mitspieler die eigenen Plättchen schmackhaft zu machen: „Ich biete Dir einen Gladiator für deinen Musiker und deine Pferde“. „Pah, im Traum nicht!“. „Aber dann bekommst du den Star-Gladiator-Vorteil (+ 4 Zuschauer) dazu!“… „Hm… Leg doch noch zwei Taler drauf“… So ging es hin und her und so machen Verhandlungen selbst mir Spaß.

Alles in allem also eine wirklich runde Sache und wieder ein schöner Spieleabend mit meinen Lieblingsdeppen. Achja, am Ende habe ich übrigens mit einer Paradeaufführung, die ganze 89 Besucher locken konnte (siehe Foto), knapp vor Andi gewonnen, obwohl ich zuvor nicht ein einziges Mal vorne lag. Sera wurde, wie schon in der Vorwoche, mal wieder letzter.

Star-Musiker, -Sänger, -Pferd und -Prediger. Die Menge tobt!

Und noch eine Anmerkung: Wir haben mit der offiziellen Variante für „Auktionen mit mehr Wettbewerb“ gespielt, die in den einschlägigen Foren regelmäßig empfohlen wird.


Und sonst gespielt?

Feuer & Flamme… Erinnert sich noch jemand an meinen Aufruf, mich vielleicht mal zum Grillen einzuladen? Scheinbar nicht, denn bislang sind die Einladung eher rar geblieben… Zumindest jene, die für mich in erreichbarer Distanz liegen… Einzige Ausnahme: Tim von spielfreude.blogspot.de.  Allerdings kann er auch eigentlich nicht anders, denn ich habe ihn und seine Frau – hinterlistig wie ich nun mal bin – zuvor (bei noch schlechterem Wetter) gleich zwei Mal zum Essen eingeladen. Er stand also unter Zugzwang, und so kam es vergangene Woche schon zum zweiten Grillabend in kürzester Zeit bei ihm. Was wir anschließend gespielt haben (und zwar gleich sechs mal hintereinander), sollte da keine große Überraschung mehr sein:

Wie er sich freut, der Hochstapler!

Beste Grillmeisterin des Abends war mal wieder Tims Frau Ramona. Ich zittere mir bei solchen Spielen ja in der Regel eher einen ab, so auch dieses Mal.

Star Wars: The Card Game… Habe ich am Donnerstag nach dem Grillen zum ersten Mal mit Tim gespielt, und am Freitag dann direkt nochmal bei ihm. Das schöne daran, Herr über sein eigenes Blog zu sein, ist ja, dass man sich immer total cool und nett darstellen kann. Deswegen erzähl ich jetzt einfach mal nicht, wie ich während unserer Freitags-Partie die Nerven verloren habe… „Gottverdammtes Drecks-Glücksspiel. Da kann ich auch Fluxx spielen.“… Ähäm…

Die Zwerge: Nachdem mich das Star Wars LCG beinahe zur Weisglut getrieben hatte, war es vermutlich nicht Tims schlechteste Idee, anschließend etwas kooperatives zu spielen. So kam ich nun zu meiner ersten Partie von „Die Zwerge“ und kann damit ein weiteres Spiel in meinem Besitz von der „nicht gespielt“-Liste streichen (auch wenn wir technisch gesehen natürlich Tims Exemplar gespielt haben… wurscht). Hat mir gut gefallen, allerdings kennt Tim das Spiel auch schon so gut (30+ Partien), dass es mir lächerlich leicht vorkam. Lag aber auch am Würfelglück. Trotzdem schön!

Castle Panic mit Erweiterung. Nach „Die Zwerge“ das nächste kooperative Spiel mit Tim. Monster stürmen auf eine Burg zu und wir müssen sie durch passende Karten (jenachdem, wo das Monster sich grade befindet) zerkloppen, bevor die Monster unsere Mauern und Türme einreißen. Die Erweiterung bringt weitere Monsterauswahl und coole Zabersprüche. Das war’s eigentlich. Nett.

Time ’n‘ Space. Nach dem recht konfusen Einführungsspiel in der Vorwoche nun mit der selben Gruppe (Andi und Serafim) nochmal, und zwar direkt die Langversion (30 Minuten). War dann schon deutlich besser, und gegen Ende hatten wir so grob ne Ahnung, was wir eigentlich alles hätten beachten müssen… Sehr spezielles Spiel für sehr spezielle Spielgruppen, aber wir werden so langsam warm damit…

Mit Las Vegas haben wir uns nach Time ’n‘ Space und Colosseum (siehe oben) die Wartezeit auf den Pizzaboten vertrieben. Perfekter „Füller“ / „Absacker“.

Guildhall: Als Abschuss des Spielemarathons mit Andi und Serafim (nach besagter Pizza). Ganz interessant mit ein paar netten Kartenkombo-Möglichkeiten, fühlt sich dabei aber nicht hundertprozentig rund und zudem recht schnell repetitiv an (nach bisher sechs Partien). Für kleines Geld aber trotzdem für ein paar Partien voll in Ordnung, und mit der „Job Fair“-Erweiterung kommen irgendwann neue Berufsgruppen und somit dann doch Abwechslung. Jetzt müsste die Erweiterung nur zeitnah bei Pegasus erscheinen…

Labyrinth: The War on Terror, 2001-?: Ich habe mich nochmals mit Andreas U. dran gewagt, und bei diesem dritten Versuch am vergangenen Sonntag haben wir es dann tatsächlich geschafft, unsere Partie auch einmal zu Ende zu spielen. Hat auch nur etwa fünfeinhalb Stunden gedauert – reine Spielzeit (für mich übrigens ein persönlicher Rekord). Zugegeben, wir sind es gemütlich angegangen, und vermutlich spielt es sich mit steigender Erfahrung flotter. Trotzdem… Ich habe es ja letzte Woche schon angedeutet, und ich bleibe dabei: Für mich ist das viel zu viel Zeit- und Lernaufwand für das, was das Spiel mir letztlich bietet. Zu viele kleinteilige Regeln mit Sonderfällen. Zu viele Event-Karten, die spielentscheidend sein „können“ und die man daher auf dem Schirm haben sollte. Zu langsam erschließen sich die Zusammenhänge der einzelnen Aktionen. Damit sage ich nicht, dass Labyrinth ein schlechtes Spiel sei. Wir hatten selbst in unserer „Anfänger-Partie“ ein paar richtig coole und interessante Momente. Trotzdem ist mir persönlich einfach der Aufwand zu groß, den ich betreiben müsste, um dieses Spiel irgendwann einmal sinnvoll in einer vernünftigen Zeit bewältigen zu können. Daher für mich dann doch eher uninteressant. Hat aber wenigstens den Vorteil, dass ich mich nicht mehr mit der Frage beschäftigen muss, ob das ganze eigentlich moralisch okay ist :P


Sonst noch was?

– Ich bin vermutlich der letzte Blogger der Spieleszene, der verkünden darf:

Glückwunsch dazu von mir (war ja mein persönlicher Favorit unter den Nominierten, allerdings nicht unbedingt für die Zielgruppe des Preises…).  Mit dem Kennerspiel „Die Legenden von Andor“ kann ich auch ganz gut leben, hätte mich aber mehr über Brügge gefreut. Ich bin sehr gespannt, wie die beiden Preisträger von der breiteren Masse aufgenommen werden!

– Arnes Blog Brettspiel-Lichtbilder feierte einjähriges Bestehen, daher von mir noch mal viele liebe Glückwünsche auf diesem Wege! :-* ♥ ♥ ♥

– Anfang der Woche erreichte mich eine Nachricht, die sich wie ein kleiner Brief aus Hogwarts anfühlte und meine Vorfreude auf die SPIEL ’13 schon jetzt spürbar befeuerte. Mehr verrate ich aber (noch) nicht.


So, das war’s mal wieder. Und bei Euch so?

Besten Gruß und eine schöne Woche!
Der Martin

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12 Comments

  • Reply
    Anonym
    Juli 16, 2013 at 5:19 pm

    o.k. hiermit bist du zum Grillen am Chiemsee eingeladen. Egal ob Sommer oder Winter.

  • Reply
    Clani
    Juli 16, 2013 at 5:22 pm

    Hehe!

    Folgendes gespielt:

    – Hanabi, mit guten Freunden (musste sein, wegen SdJ)
    – Der Bauer und das liebe Vieh (gegen meinen 10jährigen Sohn verloren, grrrrrr)
    – Augustus (sehr schönes Spiel, aber wer hat denn die Regel in der Qualitätskontrolle gehabt, omg!)
    – Duell im Felsental (Partie 1-4, Stand 2:2, blöder Drache aber auch)
    – Thunderstone Advanced (wollte mal eintauchen in das Spiel, hab die Solovariante des ersten Spiels gespielt, um Regeln zu verstehen, hat mich ca. 6 Stunden meines Lebens gekostet zu gewinnen ;). Aber die Regeln hab ich nun drauf, glaub ich!).

    Mehr war nicht drin.

  • Reply
    Anonym
    Juli 16, 2013 at 9:51 pm

    Wenn dir "Colosseum" so gut gefallen hat: Ich habe es nach "Die Fürsten von Florenz" gespielt und eigentlich sind diese beiden Spiele irgendwie gleich, zumindest vom Gefühl her.
    Vielleicht solltest du dir dieses dann auch mal aus dem Regal holen.
    Ach, du besitzt es gar nicht…?

  • Reply
    Tim Koch
    Juli 17, 2013 at 7:14 am

    Was meinst du bitte mit "Glücksspiel" bei Star Wars… das war meine absolut überragende und unschlagbare Strategie. Einfach den Imperator neben Vader und einem Sternzerstörer auf den Tisch werfen und gucken was passiert :)
    Davon abgesehen fängt "Nerven verloren" frühestens bei Würfel durch die Gegend werfen an und endet irgendwo bei Spielesammlung anzünden. Sogesehen alles ganz entspannt.

  • Reply
    Andreas
    Juli 17, 2013 at 1:50 pm

    Star Wars wird richtig gut ab Partie 10+. Bei den ersten Partien dachte ich auch, dass eine Menge auf das Ziehen der Karten abfällt, aber dem ist nicht so. Für mich innerhalb kurzer Zeit zu einem meiner Lieblinge aufgestiegen.
    Die permanenten kniffligen Entscheidungen vllt. mal Vader auf den wichtigen Edge-Battle zu werfen oder ihn doch zu spielen – unschlagbar.

  • Reply
    Martin Klein
    Juli 18, 2013 at 6:26 am

    Ja, ich hab es noch nicht aufgegeben :) Allerdings werde ich mich vor der nächsten Partie mal hinsetzen und mir sämtliche Karten ganz genau anschauen…

  • Reply
    Martin Klein
    Juli 18, 2013 at 6:29 am

    Hey Clani!

    Bei Augustus stimme ich Dir voll zu, aber das soll ja zwischenzeitlich behoben sein… :)

    Ist Thunderstone Advanced so aufwändig? Ich kenne nur das "originale" Thunderstone… Gut, das war auch schon ein Akt, das zu lernen damals, aber eher weil der Verlag (AEG) ganze vier Regelversionenen gebraucht hat, bis das ganze verständlich war…

    Grüße,
    Martin

  • Reply
    Martin Klein
    Juli 18, 2013 at 6:29 am

    Danke! Aber schon wieder so weit weg :P

  • Reply
    Clani
    Juli 19, 2013 at 5:56 am

    Naja, der Speilablauf ist ein wenig anders als Dominion (mein Deckbau-Favorit). Und die Solo-Version ist echt hart zu knacken, besonders wenn man nur &%$%$%%-Blöde Karten zieht, oder die Montser den Dungeon zur Partyzone erklären! Alles in allem ist es aber wie immer: Wenn man eine Regel drin hat, dann läuft es auch! MAl sehen, wann ich die Familie, oder ein paar Kumpels dazu übereden kann das zu spielen!

  • Reply
    Martin Klein
    Juli 19, 2013 at 6:06 am

    Gestern noch zwei Mal gespielt und so langsam werde ich warm damit :)

  • Reply
    Martin Klein
    Juli 19, 2013 at 8:39 am

    Huhu, weiß nich, ob wir uns da jetzt missverstanden haben. Mit "Originial-Thunderstone" meinte ich nicht Dominion, sondern das erste Thunderstone. Das habe ich ne zeitlang gespielt und auch die ersten paar Erweiterungen noch gehabt, aber irgendwie war es für mich schnell immer viel vom gleichen :) Keine Ahnung, ob das bei Advanced besser ist :)

    Das mit "wenn man eine Regel drin hat, dann läuft es auch" kann ich jedenfalls bei meinen ersten Thunderstone-Erfahrungen (wie gesagt: das alte Thunderstone) nicht bestätigen. Habe mehrfach gedacht, ich hätte es kapiert, um dann während des Spielens zu merken, dass das doch alles keinen Sinn macht. Also die üblichen Besuche im BGG-Forum und dort nach Lösungen gesucht, nur um festzustellen, dass es allen anderen dort auch genauso geht, und selbst die AEG-Mitarbeiter mussten dann oft eingestehen, dass das ja wirklich keinen Sinn macht. Es kamen dann innerhalb von 4 Monaten oder so drei neue Regelversionen raus, und erst mit der letzten hat es wirklich gepasst. War für mich eine der frustrierendsten Regelerfahrungen bislang, und ich glaube, dass das mir dann das Spiel auch ein bisschen verdorben hat.

  • Reply
    Clani
    Juli 19, 2013 at 9:45 am

    Ne missverstanden ahben wir uns nicht, ich hab im Moment Ferien-Modus da schreib ich nicht immer ganz klar ;)! Ich musste mich etwas umstellen, quasi die Domnion Regeln ein bisschen verlassen (dachte am Anfang Thunderstone wäre so wie Domnion (nur Fantasy) , unterscheidet sich aber auch ein wenig davon).

    Thundesrtone Advanced hat eine Erste Partei-Schnellanleitung, die recht gut gemacht ist. In der wird erklärt, wie man ins Spiel reinkommt. Danach haben die Götter aber noch gefühlt 900 Seiten Regeln gelegt. Aber ähnlich, wie bei anderen Spielen auch, fehlen meiner Meinung nach an vielen Stellen noch Erklärungen. Viele Monsterkarten haben Effekte, die nicht erklärt werden. Aber da fuchst man sich dann rein. Angeblich soll Advanced ja eine Verbesserung sein. Da ich das alte Thunderstone nicht kenne, kann ich dazu nichts sagen.
    Und wie geasgt, ich versuche Spiele erstmal für mich zu verstehen – sprich, ich spiel die erstmal alleine, und die Solovariante ist recht nett geamcht aber halt auch knackig. Bisher hab ich aber noch nicht einmal ein Forum besuchen müssen, hab aber auch noch nicht mit allen Karten gespielt.

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